Wirbelsäulenspiegelung

Die Epiduroskopie

Endoskopie des Wirbelkanals

Mit der Endoskopie hat sich in den letzten beiden Jahrzehnten eine Medizintechnologie entwickelt, die es erlaubt, nahezu alle Ecken und Winkel des Körpers einer genauen Inspektion zu unterziehen, ohne zum Skalpell greifen zu müssen. Seit kurzer Zeit kann man mit den winzigen Kameras und feinen Sonden auch einen Wirbelkanal genau unter die Lupe nehmen und erforderlichenfalls sogar kleinere Eingriffe durchführen. Durch die sehr gute Einsicht in Anatomie und Dynamik des Wirbelkanals bei dieser so genannten Epiduroskopie können manchmal rückenmarksnahe Schmerzsyndrome erkannt und eventuell auch behandelt werden, für die es mit den bisher bekannten Untersuchungstechniken keine Erklärung gab. Daher können insbesondere chronische Schmerzpatienten, die auf andere Verfahren nicht ansprechen, von der Epiduroskopie profitieren.

Exakte Positionierung

Ein weiterer Pluspunkt, der für die Spiegelung des Markraumes spricht, ist die Tatsache, dass Medikamente ganz gezielt dort platziert werden können, wo sie hin sollen. So können z. B. entzündungshemmende Wirkstoffe genau an den Ort der Entzündung injiziert werden. Dies erhöht die Effizienz bei reduzierten Wirkstoffmengen. Auch Katheter, über die Spülungen des Gewebes erfolgen oder über die mehrfach Medikamente in den Spinalkanal eingebracht werden sollen, können mithilfe der Epiduroskopie ganz exakt an den erwünschten Wirkort gelegt werden. Ebenso können z. B. Sonden für eine Elektrostimulation ("Schmerzschrittmacher") unter Sicht genau platziert werden.

Mehrere Zugänge sind möglich

Für die Durchführung einer Epiduroskopie gibt es zwei unterschiedliche Zugangswege, über welche die Kamera in den Spinalkanal eingeführt werden kann. Der so genannte sakrale Zugang nutzt eine natürliche Öffnung im Kreuzbein. Das dabei verwendete Sichtgerät hat einen Außendurchmesser von 2,5 mm und einen Arbeitskanal von 1,2 mm Durchmesser. Dieses System zeichnet sich durch einen besonders großen Blickwinkel aus und erlaubt auch die Durchführung von kleineren Eingriffen; so können damit z. B. alte Vernarbungen gelöst oder Gewebeproben entnommen werden. Für Fragestellungen in höheren Etagen, etwa im Bereich der Hals- oder Brustwirbelsäule, verwendet man ein ultradünnes Fiberskop von lediglich 0,75 mm Außendurchmesser. Dieses wird zwischen den Wirbeln in den Spinalkanal eingeführt. Die Epiduroskopie erfolgt unter sterilen Bedingungen im Operationssaal. Auch wenn nur eine örtliche Betäubung erforderlich ist, ist zur Sicherheit während der Untersuchung immer auch ein Narkosearzt anwesend.

Kontraindikationen

Nicht in Frage kommt eine Epiduroskopie bei Patienten mit Gerinnungsstörungen oder unter der Einnahme von gerinnungshemmenden Medikamenten. Auch Infekte im Bereich der Zugangsöffnungen, bestimmte neurologische Erkrankungen oder ein allgemein hohes Herz-Kreislauf-Risiko sind Ausschlusskriterien für die Spiegelung des Wirbelkanals.

Wann kann eine Epiduroskopie sinnvoll sein?